Liebe Besucherinnen und Besucher,

 

zu Silvester 1946, einer Zeit härtester Entbehrungen understörung und einem der kältesten Winter,  hielt Josef Kardinal Frings seine bis auf den heutigen Tag legendäre Predigt. Er erlaubte den Menschen, in Notsituationen zu stehlen. "Wir leben in Zeiten, da in der Not auch der Einzelne das wird nehmen dürfen, was er zur Erhaltung seines Lebens und seiner Gesundheit notwendig hat, wenn er es auf andere Weise, durch seine Arbeit oder durch Bitten, nicht erlangen kann." Mit dieser Predigt handelt sich der Kardinal den Ärger der britischen Besatzungsbehörde ein. Was der Kölner Erzbischof allerdings nicht erahnte, war, dass ein neues Wort geboren war: "fringsen", stehlen aus blanker Not.

 

Viele Menschen hatten durch die schrecklichen Verwüstungen, die der Zweite Weltkrieg angerichtet hatte, alles verloren - geblieben war nur das eigene Leben. Sie wurden zu Flüchtlingen, sie ließen den blanken Horror hinter sich. Wahrscheinlich wissen nur Zeitzeugen, was sie durchmachen mussten. Was sich damals in ganz Deutschland ereignete, wiederholt sich heute auf schreckliche Weise im Irak, in Afghanistan und in Syrien. Wie damals sind auch heute viele auf der Flucht und suchen, weil um sie herum Bomben und Kanonen alles Leben auslöscht, bei uns Zuflucht und Geborgenheit.

 

Die Überlebenden nach der Weltkrieg standen vor einer unglaublichen, fast unlösbar erscheinenden Aufgabe. Voller Dankbarkeit blicken wir deshalb auf jene Frauen und Männer der ersten Stunde zurück, die in einer Zeit tiefster Not entschlossen den Blick nach vorne richteten. Nach Jahren der Diktatur und des Vernichtungskrieges bauten sie neue Städte und Dörfer, bauten unser Land wieder auf. Sie schufen ein neues Deutschland. Sie gaben dem Land eine stabile Basis für Freiheit und Frieden, Demokratie und Wohlstand.

 

Ich wünsche Ihnen allen ein von Gottes Segen begleitetes, glückliches und gesundes Jahr 2018.

 

Ihr

 

Bernd Ramakers

Präsident